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Studienfahrt des 11. Jahrgangs: Berlin 2006
"Nein, nein, hier schlaf ich nicht mehr..." - und
vieles mehr nur hier, im exklusiven "Bärlin" - Bericht
Wir waren (noch) guter Dinge, als wir, der ganze elfte Jahrgang,
uns um zwei Uhr nachts, am KKG trafen. Die Spannung, die in der
Luft lag, konnte man förmlich riechen, schließlich war
es für viele der erste Besuch in unserer genialen Hauptstadt.
Doch dann der Schock: Wir hatten das große Los gezogen, mit
einem klapprigen Gelenkbus ca. sechs Stunden nach Berlin fahren
zu dürfen. Dazu kam noch, dass dieser Bus weder eine Toilette
besaß noch genug Stauraum hatte, so dass wir gezwungen waren,
da niemand freiwillig seinen Koffer da lassen wollte, ein paar der
Gepäckstücke im Gang zu stapeln.
Es kam noch härter: Nach ca. einer Stunde wurden dann auch
die letzten Handschuhe ausgepackt (soweit welche vorhanden waren),
denn obwohl der Busfahrer durchgängig behauptete, dass es 20°C
im Bus seien, sind wir bis heute der festen Überzeugung, dass
der liebe Mann einen Vorzeichenfehler beging und es in Wirklichkeit
-20°C waren. Das Ganze wurde nur noch durch zeitweilige lautstarke
Laberattacken eines gewissen Personenkreises getoppt. Nach einer
dennoch lustigen, ungefähr sechs Stunden langen Fahrt kamen
wir glücklich, wenn auch müde in unserem Jugendhotel an.
Wer nun dachte, er könne sich auf sein Zimmer verziehen und
gemütlich auspacken/ - spannen, wurde enttäuscht. Unsere
Koffer wurden provisorisch in einen Raum "gestopft", und
bevor wir die Zimmer auch nur kurz von innen sehen konnten, waren
wir schon wieder auf die Straße gesetzt worden... von Herrn
Thielemann. Er war der Ansicht, dass es uns gut tue, halb Berlin
gleich am ersten Tag zu Fuß zu erkunden, schließlich
sollten wir soviel wie möglich von dieser tollen Stadt zu sehen
bekommen. Dieser Ansicht stimmten wir, ein paar Mädels auf
Highheels, nur teilweise zu, da die Gehwege vereist und rutschig
waren. Des Weiteren pendelte sich die Temperatur um den Gefrierpunkt
ein. Allerdings konnten wir uns so schon gleich ein Bild davon machen,
was uns die nächsten Tage erwarteten würde.
Die 11c war um 16 Uhr erlöst und durfte nun die Zimmer beziehen.
Zu den Zimmern ist zu sagen, dass sie grundsätzlich gleich
groß waren, egal, ob es sich dabei um 3er, 4er, 5er oder auch
8er - Zimmer handelte.
Wenn man das pP (persönliches Pech) hatte und in einem oberen
Stockbett schlafen musste, durfte man sein Bett selber beziehen
und jeden Morgen auch wieder "machen", während die
anderen den Luxus genossen, dieses "gemacht" zu bekommen.
Ein weiterer Service des "Hotels" war das integrierte
Badezimmer mit Dusche, die bei uns jedoch schon gleich am zweiten
Tag versagte, so dass wir uns gezwungen sahen, halbnackt durch die
Flure zu rennen um eine Dusche zu finden.
Am Abend besuchten wir eine Cocktailbar, wobei einige vorher noch
schnell Pizza essen waren. Weitere Abendveranstaltungen im Laufe
der Woche waren: das Fußballspiel Hertha vs. Bayern (leider
ein Unentschieden), Besuch im Hard Rock Cafe und der Kneipe "Klo"
und am letzten Abend ein klasseninternes Abendessen im Nolle, mmh
lecker!!!
Zu der ersten Nacht in einem der Zimmer ist zu sagen, dass vier
der fünf Mitbewohnerinnen den Schock ihres Lebens bekamen,
als Monika* um ca. vier Uhr nachts plötzlich erschreckende
Geräusche von sich gab... zunächst war nur ein herzzerreißendes
Jammern und Stöhnen zu hören, dass zu einem lauten Aufkreischen
mutierte. Mit den Worten "Nein, nein, hier schlaf ich nicht
mehr!" sprang sie aus ihren Bett und rannte zur Tür, wo
sie ohne unsere Hilfe, da wir von Angst gefesselt in unseren Betten
lagen, zur Besinnung kam.
Nachdem wir realisiert hatten, dass es nur Monika* und kein Einbrecher
war, fragten wir sie, ob denn alles in Ordnung sei. Sie bejahte
dies und war sofort wieder eingeschlafen. Für Julia war die
"Nacht" gelaufen, da sie nun in regelmäßigen
Abständen von Lachattacken heimgesucht wurde. Am nächsten
Morgen hatte Monika angeblich jegliche Erinnerung an diesen Vorfall
schon vollständig verdrängt.
Das Programm der nächsten Tage gestaltete jede Klasse individuell
und während die 11b dank Frau Philippi fast jedes Museum kennen
lernte, freute sich die 11c über angemessen viel, von Herrn
Thielemann genehmigte, Freizeit.
Der gesamte Jahrgang traf sich zu Führungen durch das Verteidigungsministerium,
den Reichstag und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand.
Im Ministerium begrüßte man uns, nach einem ausgiebigen
Sicherheitscheck, zu einem Vortrag über die Geschichte, die
Aufgaben und den Aufbau der Bundeswehr, der sich größtenteils
als Schleichwerbung herausstellte. Leider oder immerhin (?) verhalfen
die ausführlichen Erzählungen des Presseoffiziers den
sowieso übermüdeten Zuhörern teilweise zu einem gesunden
Schlaf.
Positiv zu bewerten ist jedoch die Getränkepause, die den zweiten
und wesentlich interessanteren Abschnitt des Vortrages einläutete.
Da der Vortrag länger gedauert hatte als erwartet, mussten
wir uns beim anschließenden kostenlosen Mittagessen so beeilen,
dass wir es leider nicht wirklich genießen konnten, denn wir
waren für unsere auf 13.00 Uhr festgelegte Führung durch
den Reichstag spät dran. Statt eines Verdauungsspazierganges
hetzten wir durch die vereisten Straßen Berlins. Beim Reichstag
angekommen wurden wir wieder einem Sicherheitscheck unterzogen,
bevor wir den Plenarsaal und die Kuppel (s.Foto) besichtigten durften,
ein Muss für jeden Berlin-Besucher!!!
Bei der Besichtigung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand
erwischte die 11c eine besonders engagierte Museumsführerin,
die uns mit spannender Erzählweise durch die äußerst
interessant und ansprechend gestaltete Ausstellung führte.
Shoppen, shoppen und nochmals shoppen, das war die Freizeitbeschäftigung
Nr. 1. Ob im KaDeWe, Galeries Lafayette, auf'm Ku'damm oder im Schokoladenfeinkostgeschäft,
irgendwo fand jeder, was ihm gefiel. Man sollte jedoch, wenn man
zu Fuß unterwegs war, seinen Rückweg kennen, da auskunftsfreudige
Berliner einen grundsätzlich zur nächsten U-Bahn-Station
schickten oder für verrückt erklärten, wenn man ihnen
den Zu-Fuß-geh-Wunsch deutlich machen wollte. Diese Erfahrung
machten ein paar orientierungslose Mädels der 11c. Gerettet
wurden sie schließlich von den per Telefon alarmierten Klassenkameraden,
die sie mithilfe markanter Wegweiser, wie beispielsweise das über
und über mit Kaugummi verklebte Reststück der Berliner-Mauer
(s. Foto), wieder auf den rechten Weg brachten.
Das sollte ihnen eine Lehre sein, und von da an fuhren sie nur
noch U-Bahn - ein fataler Fehler, wie den Mädchen bald deutlich
wurde. Da sich schon der Fahrkartenautomat als unüberwindbare
Hürde herausstellte, nahmen sie dankbar die Hilfe einer waschechten
Berlinerin an, die jedoch vergaß, den Mädels zu sagen,
dass sie das Ticket abstempeln mussten. Damit nahm das Unglück
seinen Lauf. Auf der Rücktour verlangte ein verwahrlost aussehender
Mann, der sich als Fahrkartenkontrolleur auswies, das 5er -Ticket.
Stolz zeigten sie es. "Ihr wisst ja, was jetzt auf euch zukommt?".
" Sind wir die millionsten Besucher?", war die perplexe
Antwort eines der Mädels. "Aussteigen, mitkommen!"
Langsam wurde die Situation kritisch. Die folgsamen Gymnasiastinnen
stiegen brav mit aus, immer noch ohne Schuldbewusstsein. Nach mehrfacher
Nachfrage erklärte der Kontrolleur, dass sie vergessen hätten,
das Ticket zu entwerten und so schwarzgefahren seien. Auf die Unschuldsbeteuerungen
der Mädels, dass sie Touristinnen seien und dies nicht gewusst
hätten, reagierte der Mann nicht. Daraufhin wurde ihnen der
zu zahlende Preis genannt: 40 € pro Person. Lilly* hatte nun
die Nase gestrichen voll und holte zum Gegenschlag aus. "Was
ist denn, wenn wir alle Legastheniker sind und das "bitte entwerten"
(s. Foto) nicht lesen konnten?". Des Kontrolleurs geistreiche
Erwiderung war: "Wenn ihr Legastheniker wärt, könntet
ihr aber keinen deutschen Pass haben!". Es ist zu bemerken,
dass es sich beim Kontrolleur um einen ausländischen Mitbürger
handelte, der es trotz Kontrolle des Personalausweises nicht schaffte,
Wilhelmshaven richtig abzuschreiben. Auch seine Rechenkünste
ließen zu wünschen übrig, schaffte er es doch tatsächlich,
aus 5 x 40€ = 240€ zu machen.
(Aufgrund eines vernichtenden Beschwerdebriefes schafften die fünf
es, die 40€ pro Person auf 7€ zu verringern. Wohl dem,
der bei der Erörterung im Deutschunterricht der Klasse 9 gut
aufgepasst hat und somit sogar die Berliner Verkehrsbetriebe von
seiner Meinung überzeugen kann!).
In der letzten Nacht beglückte uns Monika* ein letztes Mal
mit einer ihrer nächtlichen Attacken, von der wir jedoch erst,
als alles vorbei war, etwas mitbekamen. Sie hatte es doch tatsächlich
während des Schlafwandelns geschafft, sich zusammen mit ihrer
Bettdecke auszusperren. Sie klopfte vergeblich an unsere Zimmertür,
da wir schon tief und fest schliefen. Nach ca. einer Stunde fasste
sie sich ein Herz und fragte den Nachtportier nach einem Ersatzschlüssel.
Als sie das Zimmer aufschloss, wurden wir wach und fragten sie ganz
erstaunt, was sie denn um diese Uhrzeit noch auf dem Flur zu suchen
hätte.
Am nächsten Morgen war dann auch leider schon der Abreisetag
gekommen und bevor wir Zeit hatten, letzte Einkäufe zu erledigen,
sollten wir unsere Zimmer aufräumen. Dazu gehörte auch,
das Bett abzuziehen und den Müll aufzusammeln, ähhm, hatten
wir nicht in einem Hotel genächtigt?!?
Die Rücktour verlief um einiges ruhiger und entspannter als
die Hinfahrt, was erstens daran lag, dass ein Großteil der
Leute schlief, zweitens war der Bus geheizt und drittens... es war
ein moderner, komfortabel ausgestatteter Doppeldeckerbus mit genügend
Platz für alle(s)!!!
Am nächsten Tag mussten wir leider zur ersten Stunde in die
Schule. Für die 11c gab es jedoch eine Überraschung der
besonderen Art: Herr Thielemann wollte sich mit Fladenbroten bei
unserer Klasse für die tolle Klassenfahrt bedanken (da nur
die Hälfte der Schüler anwesend war , blieben mehr Fladenbrote
für die Nicht-Schwänzer!!!)!
Da können wir ihm, ebenso natürlich auch Frau Philippi
und Herrn de Haas nur zurückdanken, dafür, dass die Klassenfahrt
alles in allem ein voller Erfolg war. Nun klingt das ja alles irgendwie
ziemlich negativ, aber vielleicht kennt ihr das ja selbst: Je mehr
Chaotisches passiert, desto mehr Interessantes kann man anschließend
- entsprechend anekdotisch - berichten.
* Name von der Redaktion geändert
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