Der moderne deutsche Roman

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort des Autors

2. Einführung in die Problematik und zeitliche Einordnung

3. Gestaltung des modernen Romans

4. Entwicklung bis Heute

5. Nachwort

6. Quellen

 

 

 

1 .Vorwort

In meinem Referat über den modernen deutschen Roman versuche ich Dich, werte\r Leser\in dieser Zeilen über eben diese Art des Romans zu informieren. Die Idee zu diesem Thema kam mir just in einer Deutschstunde bei meinem Lehrer Klaus G. als dieser eine Liste möglicher Referatsthemen zur Disposition stellte. Das dieses Referat demnach völlig ohne Zwang entstanden ist kann deshalb nur betont werden (ha, ha) ,und ich hoffe meine persönliche Begeisterung für dieses Thema kommt in meinen Ausführungen voll zur Geltung. Ich muss jedoch im Voraus anmerken, dass die Materiallage bezüglich des modernen deutschen Romans nicht ganz unkritisch ist. So gibt zwar einige Fachbücher die sich dieses Themas sehr ausführlich annehmen doch ein Buch, das seinen Leser auf über 400 Seiten mit für "Non-Intellektuelle" unverständlichen Ausdrücken bombardiert zählt nicht gerade zu dem, was einem die Arbeit erleichtert. Als Hauptreferenz bezüglich der Romanstruktur diente mir deshalb ein Auszug unseres Schulbuches zur Theorie des modernen Romans.

S. F.

 

 

 

2. Einführung

Wenn man von einem modernen Roman spricht, so möchte man meinen, es handele sich bei besagtem Werk um einen Roman, der in der Epoche der Moderne verfaßt wurde. Dem jedoch ist beileibe nicht so. Als Beginn der Moderne in der Romanliteratur lassen sich recht präzise die Jahre 1910 bis 1912 angeben, in denen die ersten Werke mit typisch modernen Eigenschaften veröffentlicht wurden. Zu den ersten Romanen dieser Art zählt Rainer Maria Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" und Carl Einsteins "Bebuquin oder die Dilettanten des Wunders" in denen bereits einige der in Teil 3 erklärten Stilmittel und Methoden eingesetzt wurden. Die von Rilke und Einstein genutzten Mittel stammen jedoch schon aus der Romantik in der bereits einige Autoren vom Einsatz dieser Techniken kündeten diese jedoch nie konsequent anwendeten. Man kann also durchaus behaupten die Idee vom modernen Roman sei bereits in der Zeit der Romantik geboren worden jedoch erst im 20. Jahrhundert durchsetzbar gewesen. Zu den bahnbrechenden Romanen gehören neben den oben genannten auch Kafkas "Der Process", Robert Musils "Der Mann ohne Eigenschaften" sowie Max Frischs "Mein Name sei Gantenbein". Alle diese Romane vereinen mehr oder weniger die Eigenschaften, die sie der Moderne zugerechnet werden lassen. Eine Grosszahl der verfaßten Bücher hat als zentrales Thema den Zerfall der Kultur oder der Gesellschaft (siehe in Abschnitt 3).

Die Einordnung eines Werkes in die Periode ab 1910 macht es jedoch noch lange nicht zum modernen Roman. So gibt es zahlreiche Autoren, die in den zeitlichen Rahmen der moderne passen, deren Text jedoch so gut wie keine oder gar keine Aspekte der Modernität enthalten. Diese Romane sind zum Teil inhaltlich durchaus modern in ihrer Aufmachung und Ausführung hingegen so konservativ wie ein Roman der Romantik. Als Beispiel für diese Form sei der 1935 von Werner Bergengruen verfasste Roman "Der Grosstyrann und das Gericht" genannt, der sich gegen den Hitler-Despotismus wendet und trotz einiger Ähnlichkeit mit modernen Werken nicht als modern bezeichnet werden kann.

Da also weder der Zeitpunkt der Veröffentlichung noch der Inhalt über die Klassifizierung eines Romans entscheiden, muss es Kriterien geben, anhand derer man moderne und traditionelle Romane unterscheiden kann. Diesen Kriterien gilt der nächste Abschnitt meines Referates.

 

3. Gestaltung des modernen Romans

Zunächst lassen sich einige Grundsätze bestimmen, die als Basis der modernen deutschen Romanliteratur gelten. Wichtigster Grundsatz für die Gestaltung eines modernen Romans ist die Freiheit des Autors in einem Stück die verschiedensten Gestaltungsformen was den Erzähler die Hauptfigur oder die Nutzung der verschiedene Stilmittel angeht zu nutzen. Hinzu kommt, dass der moderne Erzähler nicht mehr der Herr seine Romanwelt ist, sondern verbogen und verändert wird wie es gerade nötig ist, nur um der vom Autor gewählten Thematik zu dienen.

So kommt es zum Beispiel vor, das in einem Roman ein mehrfacher Wechsel der Erzählperpektive oder der Erzählform vorkommt. Dies alles dient nur dem Ziel, der Darstellung der Verbindung des Menschen mit seiner ihn umgebenden Welt in einer möglichst unmittelbaren und intensiven Art. Um das Innenleben eines Charakters ausführlich genug zu beschreiben reduziert der moderne Romanautor die tatsächliche Realität auf ein Minimum und konzentriert sich auf die Erfahrung der Realität, sei diese nun realistisch oder nicht. Es geht dem Autor des modernen Romans also primär um die innere Situation des einzelnen Menschen und seiner Beziehung zur Gesellschaft und nicht wie im klassischen Roman um die Beziehung zur Familie oder Tradition. Im modernen Roman findet deshalb eine Abwendung von der Betrachtung der Taten und Handlungen der Hauptperson und eine Zuwendung zur Betrachtung des Bewusstsein und des Lebensgefühls statt. Für die Struktur bedeutet das, dass der zeitliche Ablauf und Bewegung im Raum kaum noch Bedeutung besitzen wohingegen zeitlich und räumlich verstreute "Fetzen" in denen der Charakter des Romans Erfahrungen mit der Wirklichkeit sammelt sich um ein Motiv oder eine Person verdichten. Der Held traditioneller Romane der in seiner gewohnten Umgebung ein spezielles Schicksal erlebt passt jedoch nicht in die Rolle dieses Charakters. Der "neue" Held des modernen Romans lebt meistens in einer ihm nicht vertrauten Umwelt, in der er meist mehr oder weniger herumirrt und ist zumindest teilweise nur noch Repräsentant des allgemeinen Menschen. Oftmals wird er gar auf bestimmte Verhaltensweisen reduziert, die einzig und allein entscheidend sind wie zum Beispiel sein Weltverständnis oder sein Bewusstsein. Eine andere neue Heldenfigur ist der Antiheld, der gegen sein Schicksal ankämpft. Unter der neuen Funktion des Romans hat natürlich auch der Plot oder die Fabel zu leiden. Um das Verhältnis der Romanfigur zur Gesellschaft oder seine Position in dieser Welt aufzuzeigen, ist es natürlich nicht mehr nötig, dass der Held einer Geschichte eine schlüssige und vollständige Handlung durchlebt. Es ist somit Chakeristikum, dass keine grosse abenteuerliche Geschichte die Spannung ausmacht. Im modernen Roman gewinnt hingegen die Beschreibung eines Zustandes oder eines Problems durch einen bestimmten Situation wesentlich an Bedeutung und verdrängt somit den chronologischen Ablauf, der bisher für den Ablauf des Geschehens wichtig war. Wie man sieht, fallen alle beim klassischen Roman ordnenden Element weg, wodurch eine um so kunstvollere Anordnung der Gestaltungselemente erforderlich ist um einen guten modernen Roman zu verfassen. Dies mündet natürlich in einem Wandel der Ideale, die beim traditionellen Roman die innere Schlüssigkeit und die Durchschaubarkeit waren, in neue wie zum Beispiel die Intensität des zur Schau gestellten und seine Wirkung.

Zu den bevorzugten Themen des modernen Romans ist zu sagen, dass grundsätzlich der gedankliche Innenraum des Menschen und sein Bewußtsein bezüglich der Welt oder seinem Ich die größte Rolle spielt. Eine Besonderheit des deutschen Romans ist die verstärkte Aufnahme der gesellschaftlichen Verhältnisse als Themenbereich.

Es folgt eine genauere Betrachtung des Montageromans "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge", der von R. M. Rilke verfasst wurde. Der Montageroman gehört zu den Formen, die bereits in der Romantik gefordert wurden. Der Montageroman wird dadurch charakterisiert, dass in ihm die Forderung nach dem Verzicht auf das epische Kontinuum durchgesetzt wurde. Das bedeutet, dass wie oben schon erwähnt kein Handlungsstrang den Roman durchzieht oder ein kausaler Handlungszusammenhang existiert. Darüber hinaus ist kein innerer Fortschritt der Handlung erkennbar ist. Dafür wird der Roman von einem Wandel der Textgattung und einem Wandel der Redehaltungen bestimmt. So findet man in "Malte" gleich mehrere Textgattungen und Text formen wie zum Beispiel Tagebuchform, Briefform, Beschreibungen und Reflexionen. Als wäre das noch nicht genug wandelt sich je nach Textform auch die Sprachgestik. Dies alles wirft natürlich die Frage nach dem Sinn eines solchen Vorgehens auf. Rilke begeht hier nämlich in extremer Weise die Abkehr von der traditionellen Erzähltechnik. Die normale Rolle des Erzähler besteht darin, den Leser zu leiten und Ruhender Pol der Geschichte zu sein. Doch gerade das will Rilke vermeiden. Die zerrissene Erzählstruktur und die sprachliche Gestaltung machen die Situation Maltes deutlich, der die Welt selbst nicht versteht. Mit der Aufteilung des Textes durch die unterschiedlichen Textformen erfüllt Rilke noch ein anderes Ziel des modernen Romans, nämlich die Möglichkeit der freien Rezeption. Ziel der freien Rezeption ist es, dem Leser keinen Interpretationsweg vorzugeben. Dies erreicht Rilke dadurch, dass der Leser gezwungen wird, sich jeden Textteil separat vor Augen zu führen und sich dann selbst ein Bild von Malte zu machen. Die Interpretationfähigkeit eines modernen Romans ist somit wesentlich höher als die eines konventionellen Romans. Dem Leser wird dadurch eine Souveränität zuteil, die es so bisher nicht gab. Der Leser eines modernen Roman wird immer wieder dazu gebracht, selber nachzudenken und sich nicht vom Autor führen zu lassen. Einige Autoren benutzen sogar Blindmotive, die im Leser ein Gefühl der Erwartung eines späteren Wiederauftretens einer Person oder eines Gedanken hervorrufen. Diese Erwartung wird jedoch nicht erfüllt, der Leser muss sich selbst einen Reim auf das Gesehene machen. Gezielt lässt der Autor Fragen die die Hauptperson beschäftigen offen, so dass der Leser überhaupt nicht versteht, was der Erzähler meint. Dies alles macht den Leser zum Souverän der Geschichte.

 

 

4. Der moderne Roman Heute

Der moderne Roman in Deutschland spielt heute kaum noch eine Rolle angesichts einer Überschwemmung des Literaturmarktes mit billigen Krimis oder Groschenromanen die durch ihre leicht verständliche lineare und klar umrissene Handlung den Gegenpol zum Modernen bilden. Da besonders Kriminalromane der inneren Schlüssigkeit bedürfen sind sie zwangsweise klassische Romane. Auch Science-Fiction-Romane oder Abenteuer-Romane gehören in der Regel nicht zur Moderne, da der Leser dem Ablauf der Handlung ständig folgen muß und undurchschaubare Ereignisse oder freie Interpretierbarkeit den Fluß der Handlung stören würde. Jedoch besitzen auch die meisten anspruchsvolleren problembezogenen Romane kaum noch moderne Aspekte und nur durch moderne gesellschaftliche Themen wird ein Roman nicht wirklich modern.

 

5. Nachwort

Ich hoffe, dass dir mein Referat ein wenig gefallen hat und möchte noch anmerken, dass nicht alle modernen deutschen Romane darauf ausgelegt sind, den Leser zu verwirren. Bei meinen Recherchen bin ich zum Beispiel auf den Radetzkymarsch von Joseph Roth gestossen, der sich als recht lesenswert entpuppte und doch einige der o. g. Charakteristika aufzeigt.

 

6. Quellen

Karl Migner: Tendenzen der Romangestaltung im 20. Jahrhundert

Jürgen H. Petersen: Der deutsche Roman der Moderne